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Die Schwarze Reihe des Fischer Verlages

 

Vor 75 Jahren - am 30. Januar 1933:
Eine folgenreiche Entscheidung

Am 30.1.1933 wurde den Nationalsozialisten die Macht übergeben. Nach hoffnungsvollen Anfängen und z. T. noch heute sichtbaren Erfolgen - z. B. in der Finanz-, Bildungs-, Sozial- und Wohnungsbau-Politik) - war die Republik von Weimar unter den Schlägen von Ewiggestrigen, Extremisten und Antisemiten mutwillig demontiert worden und zusammengebrochen.

Die kommenden 14 Jahre unter der Regierung Hitler brachten die Gleichschaltung aller Bereiche von Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft die Verfolgung von Andersdenkenden und Minderheiten, eine stringent auf Krieg gerichtete militärische Aufrüstung und schließlich 1939 den hemmungslosen Rassen- und Vernichtungskrieg in Europa und Nordafrika mit Ausläufern nach Asien und in den Pazifik. Diesem fielen insgesamt zwischen 55 und 62 Millionen Menschen zum Opfer - darunter 27 Mio. aus der Sowjetunion, 10 Millionen Chinesen, 6 Mio. Polen und 6 Mio. Juden aus ganz Europa; die Deutschen selber mussten für Rassenwahn und Weltmachtstreben einen Blutzoll von rund 7 Mio. Menschenleben bezahlen. Am 7. und 8.5.1945 wurde in Reims und Berlin-Karlshorst die Kapitulationsurkunde unterzeichnet, womit faktisch das so genannte Dritte Reich beendet wurde.

Hunderttausende von Verfolgten wurden ins Exil getrieben, darunter auch viele Autoren des S. Fischer Verlages, 1936 auch der Verlag. Er wirkte vom Exil in Wien, Kopenhagen und New York aus mit beim Widerstand gegen die Nazis und kehrte 1951 nach Deutschland zurück. Gottfried Bermann Fischer, der damalige Verleger, hatte 1948 die "traurige Tatsache" erkannt, "wie wenig junge Menschen in Deutschland über die Vorgänge in ihrem Lande seit 1933 wissen... Ein Marshall-Plan des Geistes ist notwendig, um Abhilfe zu schaffen." - Diese Worte, bis heute Leitschnur der Arbeit an der so genannten Schwarzen Reihe, haben ihre Aktualität leider behalten. Die Schwarze Reihe des Fischer Taschenbuch Verlages verdankt ihren Namen den schwarzen Umschlägen, die zu ihrem Markenzeichen wurde. In der Schwarzen Reihe kommen selbstverständlich auch Zeitzeugen zu Wort und natürlich finden auch die berühmten Zeitzeugen-Dokumente von Anne Frank, Willi Graf und Inge Scholl ihren Platz. Die Schwarze Reihe richtet sich nicht nur an Historiker, sondern auch an ein breites, historisch interessiertes Publikum.

Eine Microsite des Fischer Verlags erinnert an den Beginn des Unglücks vor 75 Jahren. Mehr dazu finden Sie hier
Interview mit Herrn Prof. Dr. Walter Pehle zum Thema Machtergreifung: Die folgenden Audiofiles beinhalten ein Interview, das Dr. Sigurd Martin (Online Marketing) mit Herrn Prof. Dr. Pehle (Herausgeber der Schwarzen Reihe) geführt hat. Themen des Interviews sind die Machtergreifung und die Folgemonate, die damalige Fehleinschätzung Hitlers im In- und Ausland, die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen nach dem Kriege und die Schwarze Reihe. Um sich das Interview anzuhören, müssen Sie die einzelnen Abschnitte des Interviews herunterladen.

Frage 1: 3:43
Frage 2: 4:14
Frage 3: 6:29
Frage 4: 6:00
Frage 5: 5:50
Frage 6: 7:38
Frage 7: 4:04



Prof. Dr. Pehle
 
 
 
 

Walter H. Pehle

Geboren 1941; Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie; Promotion zum Dr. phil. bei Wolfgang J. Mommsen. Seit 1976 verantwortlicher Lektor für Geschichtswissenschaft im S. Fischer Verlag und Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main. 1988 Herausgeber der 1977 begründeten Buchreihe "Die Zeit des Nationalsozialismus" (sog. Schwarze Reihe). Verantwortlicher Redakteur der "Europäische Geschichte" (Hg. von Wolfgang Benz), in der seit 1996 mittlerweile 33 Bände erschienen sind.

Literaturpreise und Auszeichnungen:

Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main im Jahr 1997
Bundesverdienstkreuzes am Bande im Jahr 2001
Honorarprofessor für das Fach Zeitgeschichte der Universität Innsbruck 2003
Bundesverdienstkreuz 1. Klasse im Jahr 2007